Blog

Zelten IV

Abend auf dem Zeltplatz. Ein schreiendes Kleinkind, Nachbarn, die beim Aperitif sitzen, andere, die grillen. Hinter der Trennhecke höre ich jemanden am Wohnwagen wurschteln. Andere sind schon beim Spülen an den öffentlichen Spülbecken oder laufen mit einem Handtuch um den Hals zu den Duschen. Ein Ehepaar sitzt bei Tisch und isst gepflegt zu Abend. Alles spielt sich draußen ab. Man sieht, wann die Menschen essen und welche Flaschen auf dem Tisch stehen. Hier treffen Länder und Kulturen aufeinander. Neben mir campt ein holländisches Paar, daneben Spanier. In der Nachbarallee sind Schweizer und noch mehr Holländer und viele Franzosen und auch viele Familien mit Kindern. Auf kurze Zeit sind wir eine kleine Völkergemeinschaft, die lebt und leben lässt.

Zelten IV Weiterlesen »

Zelten III

Ich zelte noch so richtig mit einem Zelt und bin damit zunehmend eine Ausnahme auf Campingplätzen. Die meisten sind im Campervan oder mit Wohnwagen da. Ich zelte, weil ich es liebe, so nah an der Natur zu sein, morgens aus dem Zelt direkt im Freien zu sein und den ganzen Tag draußen zu verbringen. Ich frühstücke im Freien, ich koche und esse im Freien. So ganz im Gegensatz zu meinem Alltag zu Hause, wo ich die meiste Zeit drin bin. Und preiswert ist es auch. Ein Auto mit einem holländischem Kennzeichen mit Wohnwagen kommt an und hat wohl die Parzelle neben meiner gebucht. Ein Paar steigt aus. Er koppelt den Wohnwagen ab und lenkt ihn per Fernbedienung selbstständig an den gewünschten Platz. Sie bauen ein Vordach auf und legen eine Matte aus. Darauf kommen gepolsterte Campingstühle mit einem großen Tisch und einem Beistelltisch. Hinter dem Wagen wird ein Wäscheständer aufgestellt mit einem Körbchen für die Klammern und schließlich werden noch zwei E-Bikes abgeladen und mit einer Regenplane abgedeckt.
Ich staune. Und ja, vielleicht bin ich ein bisschen neidisch, wegen der Bequemlichkeit, z.B. bei über 30°C einen Kühlschrank zu haben. Gleichzeitig genieße ich die Einfachheit meiner eigenen Ausstattung. Und dass ich zu Hause den Luxus wieder schätzen werde.

Zelten III Weiterlesen »

Kontrastprogramm

Ich bin auf einem Zeltplatz. Die Menschen hier sind teilweise weit angereist, für einen Tapetenwechsel, Entspannung, vielleicht Qualitätszeit mit der Familie. Viele haben ihre Räder dabei und unternehmen kurze oder längere Radtouren. So auch ich. Jeden Abend radle ich 20 Minuten und tauche in eine andere Welt ein, in die Gemeinschaft von Taizé. Tausende finden sich dort Woche für Woche ein, um an einem religiösen Treffen teilzunehmen. Drei Mal am Tag gibt es Gebetszeiten und dazwischen Einführungen in die Bibel und Gespräche über den Glauben. Jugendgruppen aus aller Welt kommen, um daran teilzunehmen. Ich tauche ein in Stille, Gebete und Gesänge, die von ca. 2000 Menschen getragen werden. Und dann radle ich wieder zurück und bin wieder auf dem Campingplatz mit seiner sommerlichen Ferienstimmung.

Kontrastprogramm Weiterlesen »

Ferienpläne

Schon vor etlichen Monaten hatte ich mir mal Gedanken darüber gemacht, wo ich in den Sommerferien hinfahren könnte. Eine Idee war Thüringen. Im Radio hatte ich von einer sehr besonderen Konditorei gehört, in der Nähe sollte es einen Stausee geben, in dem man schwimmen konnte und dann wollte ich mir noch Chemnitz anschauen, die Kulturhauptstadt 2025. Mit dem Plan war ich ganz zufrieden. Bis die Ferien kamen, da verlor ich das Interesse an der Idee. Irgendwie war’s das nicht mehr. Wohin dann? Ans Meer! Ja, ans Meer, das wär’s. Die Weite genießen, lange Spaziergänge machen und in die Wellen springen. Nach Holland, das wäre der kürzeste Weg zum Meer. Ich verbrachte viele Stunden im Internet mit der Suche nach einem Campingplatz. Zu meinen Wunschterminen waren alle Plätze ausgebucht, und teuer fand ich sie noch obendrein. Na klasse. Und jetzt? In die Vogesen, war meine nächste Idee. Wieder verbrachte ich Stunde um Stunde im Internet mit der Suche, diesmal nach einer kleinen Ferienwohnung oder einem Tinyhouse. Es gab Möglichkeiten, aber irgendwie konnte ich mich für die Idee dann doch nicht so richtig begeistern. Und nun? Sollte ich nicht einfach zu Hause bleiben? Dann würde zumindest die Sucherei im Internet ein Ende haben. Und dann, von ganz woanders her, sozusagen aus dem Off, kam kaum wahrnehmbar eine leise Stimme, die mir Taizé zuflüsterte. Ach, dachte ich. Aber ja, warum nicht? Da hatte ich doch schon immer mal hingewollt. Das wäre ja jetzt die Gelegenheit!
Von einer Chormitsängerin, die schon öfter dort gewesen war, bekam ich einen Tag später viele nützliche Informationen. Der Campingplatz in der Nähe hatte noch Plätze frei, die im Vergleich zu Holland auch wirklich preisgünstig waren. Ich buchte, und eine Woche später fuhr ich los.

Ferienpläne Weiterlesen »

Tapetenwechsel

Ich bleibe in den Sommerferien erstmal zu Hause und kümmere mich ausgiebig um meinen Garten. Ich genieße es auch, endlich keinen Zeitdruck zu haben. So verbringe ich viele Tage. Zwischendurch mache ich auch mal etwas Besonderes: Ich mache eine Radtour, gehe ins Freiluftkino oder mache einen Ausflug. Nach drei, vier Wochen wird es mir dann doch öde. Mein Umfeld bleibt unverändert, im Großen und Ganzen mache ich das gleiche wie zur Schulzeit, jetzt nur ohne Schule und ohne Zeitdruck. Ich denke auch öfter an die Schule. Ich komme gedanklich nicht davon weg. Ich muss raus, merke ich … ich brauche einen Tapetenwechsel. Ich will etwas anderes sehen, auf andere Gedanken kommen, und zu Hause in meiner gewohnten Umgebung will mir das nicht gelingen. Ich brauche frischen Wind.

Tapetenwechsel Weiterlesen »

Sommerdialoge

Ich habe das Gemüse und alle Blumen im Garten gegossen und die Starkzehrer gedüngt. Nun sitze ich im Schatten und schenke allen meine Aufmerksamkeit. Den Buschbohnen erzähle ich in Gedanken, dass ich mich freue, dass sie so fleißig produzieren und wie gut sie schmecken. Den Süßkartoffeln erzähle ich, wie neugierig ich bin, wie viele Knollen sie wohl produzieren werden und dass ich sie ja erst in einigen Monate ausbuddeln kann. Bei den Johannisbeeren bedanke ich mich für die reiche Ernte und erzähle ihnen von den vielen Gläsern Marmelade, die ich gemacht habe und wie sehr ich mich beim Frühstück über die farbenfrohen Gelees auf meinem Brot freue. Den Stangenbohnen sage ich, wie schön ich ihre üppig rote Knospenpracht finde und den Tomaten, dass ich es kaum erwarten kann, ihre großen prallroten Früchte zu ernten und was ich alles aus ihnen machen werde. Die Blumen übergieße ich mit Komplimenten zu ihren prachtvollen Formen, der Farbe und dem Duft und erzähle ihnen, wie sehr ich sie liebe und genieße.

Sommerdialoge Weiterlesen »

Schönheit tanken

Heiß ist es. Die Pflanzen sind versorgt. Bienen und Schmetterlinge lassen sich von der Hitze nicht stören und fliegen und flattern von Blüte zu Blüte. Ich sitze im Schatten und lasse mich mit Schönheit auftanken. Ich lasse die Schönheit der hochgewachsenen orangenen Fackellilien, der satt orangegelbenen Taglilien, der bunten Kapuzinerkresse, der tiefroten Gladiolen, der roten, pinkfarbenen und weißen Flox ganz bewusst in mich hineinfließen. Jede Zelle meines Körpers kann sich mit der Lebensfreude auftanken, die diese Blumen ausstrahlen. Ich wünsche mir, diese Lebensfreude nun selbst auszustrahlen.

Schönheit tanken Weiterlesen »

Hallo Arschloch

Auf dem Parkplatz vor dem Haus fülle ich den Wassertank der Scheibenwischer in meinem Auto auf. Zwei Mal muss ich die Flasche in meiner Wohnung wieder füllen, so viel passt in den Tank. Als ich gegen Abend nach Hause komme, sehe ich im Hausflur einen Zettel kleben:
Hallo Arschloch
Ich hoffe, dass du an deinem destillierten Wasser verreckst
Du Wichser

Ich bin sprachlos. Heh …??? Ich verstehe gar nichts. Kann ich damit gemeint sein? Wieso destilliertes Wasser? Es war doch Leitungswasser, das ich nachgefüllt habe. Ich bin total irritiert und verunsichert. Wieso nur stört sich jemand daran, dass ich mein Scheibenwischerwasser auffülle? Das Thema beschäftigt mich noch viele Stunden lang und es taucht auch an den folgenden Tagen immer wieder in meinen Gedanken auf. Erst Tage später kriege ich Gesprächsfetzen im Hausflur mit, als eine Nachbarin erzählt, dass jemand den Kanister mit destilliertem Wasser, der vor ihrer Wohnungstür stand, geklaut hätte. Der Zettel hatte also gar nichts mit mir zu tun. Ich bin einerseits erleichtert und andererseits verwundert, dass ich das auf mich bezogen hatte.
Erst als ich die Geschichte verdaut habe, stößt mir die respektlose Sprache auf. Das wäre doch auch anders gegangen. Was für Nachbarn habe ich denn da?

Hallo Arschloch Weiterlesen »

Un/versehrt

Unversehrte Menschen bewegen sich geschmeidig. Wenn sie sich beschwerlich bewegen, oder wenn sie stehenbleiben und sich mit der Hand an die Schulter oder den Rücken greifen, kann man eine Malaise vermuten. Bei Menschen mit Krücken, einem Verband oder gar einem Gips besteht gar kein Zweifel mehr an einem Gebrechen oder einer Verletzung. Nur die seelischen Verletzungen, die sieht man den Menschen nicht an. Vielleicht fällt der ein oder andere durch ein besonderes Verhalten auf, vielleicht scheut jemand den Augenkontakt oder setzt sich immer abseits … oder, oder. Aber was wissen wir schon über die seelischen Versehrungen der anderen.

Un/versehrt Weiterlesen »

Wachsen

Ich bereite den Boden, ich setze Pflänzchen, ich gieße und dünge. Ich suche Schnecken fernzuhalten und lese sie ab, wo ich welche sehe. Der Rest geschieht von alleine. Ich kann die Pflanzen, das Gemüse und die Blumen mit Liebe betrachten. Mehr nicht. Ich habe keinen Einfluss darauf, wie schnell und wieviel sie wachsen, ob sie blühen oder Früchte tragen und wenn ja, wie viele. Mein Einfluss ist wichtig und doch sehr begrenzt. Ich kann ein jedes nur seinem eigenen Rhythmus überlassen und mich dem fügen.

Wachsen Weiterlesen »

Nach oben scrollen