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Live-Lesung 4. Oktober 2026

Am 4. Oktober lese ich im Rahmen der Veranstaltung „Stories of Living Peace“ des Center of Nonviolent Communication um 11.00 Uhr (deutsche Zeit) live online einige Geschichten aus meinem Blog vor.
24 Stunden lang werden Trainer*innen aus aller Welt in ihrer Muttersprache sprechen. Es ist möglich, alles live in die eigene Sprache übersetzen zu lassen.
Hier könnt ihr euch kostenfrei anmelden und den Zoom-Link erhalten, um einfach nur zuzuhören:
cnvc.org/news/stories-of-living-peace

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Gähnen

Ich sitze mit Janina im Restaurant und wir warten auf unsere Pizzen. Ich gähne wiederholt. Ich erzähle ihr, dass ich am Vortag 150 Kilometer zu einem GFK-Treffen hin und dann dieselbe Strecke wieder zurück gefahren sei. Und in der Nacht vorher ganz schlecht geschlafen hätte und schon übermüdet losgefahren sei. Jetzt hier in der Sonne sitzend, kommt die Müdigkeit durch und ich gähne. Ihre Reaktion darauf lautet: Einmal darfst du noch gähnen, aber dann reicht’s. Ich bin völlig überrascht. Es ist keine Langeweile, ich bin doch einfach nur müde? Mehr nicht?

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Eigenrythmus

Ich habe mich mit einer Freundin zu einem Wandergottesdienst am Sonntag in einem 13 Kilometer entfernten Ort verabredet. Sie will mich abholen, so dass wir gemeinsam hinfahren. Ich kündige ihr am Abend vorher an, dass ich nicht sicher bin, ob ich die Energie dafür habe, weil ich den ganzen Tag lang ein Seminar hatte. Am Sonntag wache ich erst nach 9 Uhr auf und merke, dass ich Erholung brauche. Ich müsste jetzt gleich aufstehen, mich fertig machen und frühstücken. Ich schreibe ihr, dass ich es nicht schaffe. ‚OK‘, schreibt sie. Ich merke, wie ich innerlich loslassen kann. Entspannt trinke ich meinen Tee im Bett weiter und höre meine Lieblingssendung im Radio. Ich stehe in Ruhe auf und frühstücke. Dann fällt mein Blick auf die Uhr. Erstaunt stelle ich fest, dass noch ausreichend Zeit ist, ohne Hetze zum Treffpunkt direkt vor Ort zu fahren und ich entscheide mich, mich auf den Weg zu machen. Hätte ich die Verabredung eingehalten, wäre es Stress geworden. So konnte ich meinen eigenen Rythmus finden.

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Hitze IV

Seit ca. 12 Wochen trage ich Sommerkleidung, eine leichte Hose, einen Rock, ein T-Shirt oder ein Kleid, Sandalen in der Schule und im Garten eine kurze Hose. Seit 12 Wochen denke ich nicht darüber nach, wie warm ich mich anziehen muss, ob ich vielleicht doch noch einen Pullover brauche oder eine dickere Jacke. Seit 12 Wochen ist es einfach nur heiß. Seit 12 Wochen habe ich nichts Langärmeliges mehr getragen. Doch, im Juli gab es einen frischen Abend, da habe ich tatsächlich einen leichten Pulli angezogen. Das war ein Abend. Jetzt sind die Temperaturen unter die 30°C Grenze gefallen. Ich sitze abends im Garten, es sind 22°C und ich fröstele. Ich habe ein langärmeliges T-Shirt dabei, aber ich bleibe sitzen und genieße. Wie herrlich kühl sich 22°C anfühlen. Was für ein Genuss es ist, die Frische auf der Haut zu spüren.
Am nächsten Tag ziehe ich zum ersten Mal nach 12 Wochen feste Schuhe an. Wochenlang waren die Füße in Sandalen und an der frischen Luft, mit ganz viel Platz. Wie eng sich jetzt feste Schuhe anfühlen.

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Rauch

In 230 Kilometern Entfernung brennt in Belgien ein Waldgebiet von 3000 Hektar, melden die Nachrichten. Ich höre das im Radio. Zwei Tage später sitze ich abends im Garten. Es ist über 30°C, auch noch gegen 20 Uhr. Ich nehme den Geruch von Rauch wahr. Grillt vielleicht ein Nachbar? Wie kann man nur auf die Idee kommen, bei den Temperaturen zu grillen? Das ist so gefährlich bei der Trockenheit. Ich sehe Rauchschwaden zwischen den Bäumen und werde unruhig. Brennt es vielleicht schon? Und wenn es hier brennt, wie komme ich hier raus? Überall stehen hohe Bäume und lauter Zäune. Die Rauchschwaden werden dichter und der Geruch eindringlicher. Ich habe mein Smartphone dabei und schaue im Internet nach. Die Rauchschwaden des Waldbrandes in Belgien ziehen über Saarbrücken. Im ersten Moment bin ich erleichtert, dass die Gefahr nicht akut und vor Ort ist, aber dann erschrecke ich. Hitze und Dürre bedeuten auch Brände. Und selbst wenn diese 230 Kilometer weit weg sind und lokal begrenzt, hat es noch Auswirkungen in weiter Ferne. Ich spüre das Brennen in den Augen und die Beklemmung durch die schlechte Luft. Zu wissen, dass dichte Brandwolken wie eine Glocke über der ganzen Stadt hängen, ist angsteinflößend.

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Hitze III

Seit sieben Wochen sind es mit wenigen Ausnahmen über 30°C. Es sind Sommerferien und ich kann meine Zeit frei einteilen. Morgens bin ich aktiv so bis 11, 12 Uhr und dann kann ich nur abwarten, bis die Hitze gegen Abend wieder etwas nachlässt. Jeden Tag radle ich in den Garten, um zu gießen. Das Gemüse und den Boden habe ich durch Mulchen mit Heu vorm Austrocknen geschützt. Das hilft aber auch nur begrenzt. Jeden Abend stehe ich ca. eine Stunde in den Beeten und gieße und gieße. Gott sei Dank habe ich einen Wasseranschluss. Gleichzeitig mache ich mir Gedanken um den Wasserverbrauch. Und es wird zunehmend eine Herausforderung für mich, jetzt wirklich jeden Tag in den Garten fahren zu müssen. Irgendwann entscheide ich mich dazu, einige Pflanzen nicht mehr zu gießen. Ich treffe die Entscheidung, dass nur die Pflanzen, die noch tragen und die Blumen, die noch blühen Wasser kriegen. Die Himbeeren und die Erdbeeren gehören nicht dazu. Ob sie durchhalten werden? Und wenn nicht, ob sie nächstes Jahr wiederkommen? Eine der Rosen trägt wunderschöne Blüten und durch die starke Sonneneinstrahlung verbrennen die Ränder. Auch etliche Paprika zeigen Verbrennungen. Wie wird es wohl in den kommenden Jahren werden?

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Hitze II – Luxus

Seit Tagen ist es über 30°C. Ich lasse morgens die Jalousien herunter in dem Versuch, die Wohnung möglichst kühl zu halten, was nicht wirklich gelingt. Die Sonne hat kein Erbarmen und heizt einfach alles auf. Ich entscheide mich dazu, ins Freibad zu fahren. Zwei große Becken mit kühlem Nass liegen vor mir. Zu dieser Stunde ist es auch noch nicht so voll. Die obligatorische Dusche vor den Becken, die ich sonst scheue, weil sie immer so kalt ist, ist heute herrlich erfrischend. Das Wasser in den Becken fühlt sich nur minimal kühler an als die Luft. Ich schwimme meine erste Runde und spüre, wie sich das kühle Nass wohltuend auswirkt und meinen ganzen Körper angenehm abkühlt. Ich bin dankbar für den Luxus, dass wir immer noch Freibäder haben.

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Care-Kochen

Es ist üblich, dass Kolleg*innen, die in den Sommerferien Geburtstag hatten, zur ersten Dienstbesprechung etwas für ein gemeinsames Buffet mitbringen. Letztes Jahr hatte ich eine Zucchini-Quiche gemacht. Als wir am Buffet standen, fragte mich die Schulleiterin, ob ich den Boden selbst gemacht hätte. Nein, der sei gekauft, sagte ich, aber die Zucchini seien aus meinem Garten. Sie nahm sich nichts von meiner Quiche. Nun war es wieder so weit, die erste Dienstbesprechung nach den Ferien stand vor der Tür. Zusammen mit den anderen Geburtstagskindern im Kollegium hatten wir uns wieder zu einem Buffet verabredet. Diesmal hatte ich die Zucchini-Quiche einfach ohne Boden gemacht. Wieder am Buffet, teile ich der Schulleiterin das mit und füge hinzu, dass ich das extra für sie gemacht hätte. Sie schaut mich völlig überrascht an … nimmt ein Stück und lächelt mich dann an.

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Die Samen

Die Samen der verschiedenen Tomatensorten sehen beim bloßen Augenschein alle gleich aus. Auch wenn sie keimen und das erste Grün sprießt, unterscheiden sie sich nicht. Sogar wenn sie wachsen und größer werden, ist zumindest für mich noch kein Unterschied festzustellen. Und die Blüten, die sie zu bilden anfangen, sehen für mich als Laien auch alle gleich aus. Die ersten Früchte sind erst einmal alle grün. Erst wenn die Früchte größer werden, bilden sich Formen hervor, mal rund, mal oval, mal unförmig. Und dann, wenn sie reif werden, unterscheiden sie sich schließlich ganz deutlich in ihren Rotfärbungen und am Ende auch in ihrem Geschmack. Wie groß die Variationen sind und wie herrlich unterschiedlich!

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Liebeserklärung

Wir lernen uns auf einem Trainer*innentreffen kennen, an dem sie mit ihrem Mann teilnimmt. Am 2. Tag machen wir eine Übung zusammen, in der ich offen über ein persönliches Thema berichte. Sie begleitet mich mit Wärme und Wohlwollen. Dass Deutsch offenbar nicht ihre Muttersprache ist, stört mich nicht im Geringsten. Ich finde, sie ist eine sehr schöne Frau und ich traue mich auch, ihr das zu sagen. Sie errötet und meint, so ein Kompliment habe sie schon lange nicht mehr bekommen. Bei den Mahlzeiten sitzen wir immer mal wieder zusammen und unterhalten uns. Wir begegnen uns bei den unterschiedlichsten Workshops. In einem, den sie leitet, biete ich mich an, als sie der Gruppe eine Partnerübung demonstrieren will. In einem anderen Workshop sind wir zusammen in einer Dreiergruppe und machen die angebotenen Übungen. Wiederum begleitet sie mich mit Wärme und Wohlwollen. Beim anschließenden Austausch sagt sie zu mir: „Ich liebe dich.“ Ich höre die Worte und stutze. Das kann ich kaum glauben, habe ich doch viel von einigen meiner Unzulänglichkeiten gezeigt. Da schenkt mir ein Mensch, den ich vor 5 Tagen noch nicht kannte und der so gar keine Absichten hat, mich nicht bedrängt, der nicht fordert, einfach so Liebe? Ich spüre erst viel später die Wirkung, die diese Worte auf mich haben.

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