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Touristenüberschwemmung

Dubrovnik hat keine Industrie, die die Region belastet, dafür hat die Altstadt ca.1,35 Millionen Besucher pro Jahr. Auch das stellt eine Belastung dar. Und davon sind die Bewohner vermutlich genervt. Staus durch die vielen Reisebusse. Vollgestopfte Stadtbusse, die zur Altstadt fahren. Jeden Tag Menschenmassen, die sich durch die Altstadt schieben. Alle zwei bis drei Tage neue. Immer wieder Menschen, die Fragen haben, die Informationen brauchen, die die Gassen verstopfen, die mitten im Gehen stehenbleiben, um ein Foto zu machen. Sie sind nicht wirklich freundlich, die Bewohner von Dubrovnik, aber auch nicht direkt unfreundlich. Sie bedienen im Geschäft, sie geben die Informationen, sie machen ihre Arbeit und gut ist’s. Die Stadt mit ihren etwas über 41.000 Einwohnern ist einfach überfordert mit dem Touristenansturm. Ich kann verstehen, dass die Menschen kein Interesse an persönlichem Kontakt haben und auch, dass sie ihr Entgegenkommen verloren haben. Das ständige Kommen und Gehen solcher Menschenmengen ist einfach zu viel.
Und dann erhasche ich doch ein Lächeln. Der Mann an der Theke eines Cafés, das etwas außerhalb liegt. Ich bitte um einen Cappuccino und er lächelt mich freundlich an.

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Tagesprogramm

Einen ersten Blick aufs Meer werfen. Die streunende Katze füttern und streicheln. Im Konzum ein Frühstücksteilchen und Mandarinen kaufen. Einen oder zwei Cappuccino mit Blick auf Zypressen und Olivenbäume trinken. Mich öffnen für neue Geschichten, die geschrieben werden wollen und mich von der Sonne wärmen lassen. Zur Bucht laufen und mich in das glasklare Wasser der Adria stürzen. Den Wellen lauschen. In der Academia zu Mittag essen. Am Nachmittag in der Sonne sitzen, lesen oder schreiben. Den Tag verstreichen lassen. Die streunende Katze füttern und streicheln. Was für ein erfüllender Tag das heute wieder war. Auch wenn oder gerade, weil so wenig passiert ist.

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Worte

Überall Worte. Menschen, die auf der Promenade spazierengehen, plaudern, oder diskutieren, seien es Paare oder erst recht in Gruppen. Sogar Einzelpersonen spazieren mit dem Handy am Ohr. Nur manch ein Paar geht schweigend nebeneinander her … schweigend genießen oder Schweigen nach einem Streit? Die Cafés und Restaurants schwirren von den Worten der Gäste. Auch am Strand wird geredet und sogar im Wasser. Besonders junge Menschen erfüllt anscheinend ein starker Drang, alles in Worte zu fassen. Ich suche Abstand von den Gesprächen und einen weiter entfernten Platz. Ich möchte den Wellen lauschen. Und die Wärme der Sonne genießen … ohne Ablenkung.

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Allein oder in Gesellschaft?

Judith lerne ich kennen, als ich auf einer Wanderung am örtlichen Krankenhaus vorbeikomme und dort in der Cafeteria unter Pinien eine Pause mache. Ihr Mann liege nach einem Unfall hier im Krankenhaus, erzählt sie. Wie schrecklich die Verhältnisse dort seien. Sie könne sich mit dem Arzt nicht richtig verständigen, das Personal sitze herum und unterhalte sich nur. Dann erzählt sie von den Radreisen, die sie mit ihrem Mann gemacht habe, bis Riga, durch Rumänien und, und, und. Nach einer Weile, und nachdem wir unsere WhatsApp-Kontakte ausgetauscht haben, breche ich auf. Am nächsten Tag verabreden wir uns zum Mittagessen. Sie hat wieder viel zu erzählen, das interessant ist, gleichzeitig ist es anstrengend, so viel und so lange zuzuhören. Ich breche auf und ruhe mich erst einmal aus. Am Tag darauf schreibt sie mich an, ob wir uns abends noch einmal treffen wollten, bevor sie am nächsten Tag abreise. Ich überlege: Ich hätte schon gerne Gesellschaft. Das hieße dann aber wieder: viel und lange zuhören. Und ja, es gäbe auch die Option, ihr wertschätzend zu vermitteln, dass ich gar nicht so viel zuhören kann und will. Möchte ich im Urlaub dafür Energie investieren? Ich überlege eine Weile hin und her und entscheide mich dann dafür, den Abend alleine zu verbringen.

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Erster Kontakt

Ich unterhalte mich im Stadtbus mit einer Touristin aus Frankreich. Gleich zu Anfang erzählt sie, dass sie körperlich eingeschränkt sei. Ich unterhalte mich mit einem Argentinier an der Bushaltestelle. Er meint, die Porteños, die Bewohner von Buenos Aires, seien unbeliebt, weil sie stehlen würden. Ja, das sei so, sie würden wirklich alle alles stehlen. Er selber sei aus Mar del Plata. Dort sei man ganz anders, nicht so wie die Porteños. Der Mann aus Südafrika, mit dem ich mich unterhalte, sagt, dass er dringend Erholung von der Konferenz brauche, an der er für seine Firma teilgenommen habe. Ich bin überrascht. Zum Einen davon, was mir die Menschen da mitteilen, zum Anderen hätte mir leichter Smalltalk auch gereicht. Ist es menschlich, dass wir sofort mit dem rausrücken, wo uns der Schuh drückt? Wovon berichte ich gerade selbst als erstes, wenn ich angesprochen werde?

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Für alle

Die Sonne scheint für die, die im Flieger angereist sind und im Sternehotel wohnen und für die, die im Bus gekommen sind und im Mehrbettzimmer übernachten. Der Jasmin duftet für alle, die ihn wahrnehmen. Das Meer benetzt mit seinem salzigen Wasser alle, die in seine Wellen eintauchen. Die Pinien verströmen ihren Duft, ungeachtet, ob Jung, Alt, Reich oder Arm vorbeigehen. Die Wolken verdunkeln den Himmel für alle, ob sie auf einer kleinen Jolle oder auf einer Luxusyacht reisen. Und der kühle Nordwestwind, die Bora, lässt sie alle gleichermaßen frösteln.

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Ein Blick oder Einblick?

Du bist in deinem Urlaub die Küste Kroatiens entlanggefahren und hast dir Dubrovnik angeschaut. Ich habe meinen ganzen Urlaub in Dubrovnik verbracht. Ich war in den Morgenstunden in der Stadt, während sie langsam erwacht. Ich war in den Mittagsstunden dort, wenn sie von Touristenströmen durchflutet wird. Ich war in den Abendstunden dort, wenn die Ausflugsboote zurückkehren und die Menschen sich in den Restaurants niederlassen oder flanieren. Du hast dir Split angeschaut. Ich weiß, an welchem Strand in Dubrovnik man den Sonnenuntergang sehen kann. Du hast die Plitvicer Seen gesehen. Ich habe die Stadt zu Fuß umrundet. Ich habe sie vom Meer aus gesehen und von oben. Und ich bekomme in dem Café, in das ich jeden Tag gehe, meinen Cappuccino, ohne dass ich ihn noch bestellen muss. Welches Erlebnis ist interessanter als ein anderes? Hat nicht jedes Erleben etwas Besonderes?

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Dubrovnik im Oktober

Baden in der Mittagszeit in der glasklaren, erfrischenden Adria. Balancieren über Kieselsteine am Strand. Milde Abende in einem dünnen Pullover auf der Terrasse. Eine streunende Katze, die mich abends besucht. Zikaden, die im Hintergrund zirpen. Düfte von Jasmin, Feigen und Pinien, die sich abwechseln. Börek mit Spinat und Käse. Eine Sprache, aus der ich nichts herleiten kann. Historische Festungen und Paläste. Eine laut und fröhlich singende Hochzeitsgesellschaft. Leuchtende Granatäpfel und Pampelmusen an Bäumen. Röhrende Mofas und hupende Autos. Dichte, stechende Abgaswolken. Reisebusse, Reisebusse und noch mehr Reisebusse. Luxusliner und Kreuzfahrtschiffe am Kai. Wolken zitroniger Parfüms von Passanten auf dem Bürgersteig. Menschengewusel. Sprachen aus aller Herren Länder. Menschenschlangen vor dem Tor zur Altstadt. Enge, steile Treppengänge überall in der Stadt. Das Rauschen des Meeres, der Duft von Salzwasser und Tang. Dubrovnik im Oktober.

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Am Busbahnhof

Ich habe mich genau orientiert und finde den Busbahnhof ohne Schwierigkeiten. Ich laufe einmal um das Gebäude herum und dann eine Treppe hinauf. Schließlich stoße ich auf eine Halle mit Schaltern. Das sieht gut aus. Ich trete an ein Fenster heran und zeige dem Mann hinter der Scheibe den Ausdruck meiner Buchung. Er schüttelt den Kopf. Wie das? Mir sackt das Herz in die Hose. Fährt der Bus nicht? Habe ich falsch gebucht? Mein Hirn läuft auf Hochtouren. Was mache ich jetzt? Ich spreche den Mann an. Er öffnet das Mikrofon. Ich erkläre ihm, dass ich um 12 Uhr einen Bus nach Dubrovnik gebucht habe. Er gibt mir die nötigen Informationen. Da erst erkenne ich, dass der Mann sehbehindert ist.

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Andere Pläne

Nein, mein Urlaub sollte eigentlich ganz anders verlaufen. Ich wollte mit dem Zug nach Zagreb fahren und von dort mit dem Bus nach Dubrovnik. Dort hatte ich ein Leihauto gebucht. Ich wollte an der Küste entlang langsam nach Zagreb zurückfahren und mir auf diesem Weg auch Split und die Plitvicer Seen anschauen. Nichts ist aus all den Plänen geworden. Extrem verspätete Züge, ein Buswechsel wegen Motorschadens und ein abgebrochener Schlüssel, der mich nicht in meine kleine Ferienwohnung hineinließ, strapazierten mich aufs Äußerste. Ich wollte einfach nur noch irgendwo ankommen … Ich stornierte den Leihwagen und ließ alle Pläne los. Am Ende entschied ich mich, die ganze Zeit über an ein und demselben Ort zu bleiben. Ich würde zwar nicht so viel sehen und einen ganz anderen Urlaub haben als den geplanten. Dafür würde ich mich aber endlich entspannen können!

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