Liebeserklärung

Wir lernen uns auf einem Trainer*innentreffen kennen, an dem sie mit ihrem Mann teilnimmt. Am 2. Tag machen wir eine Übung zusammen, in der ich offen über ein persönliches Thema berichte. Sie begleitet mich mit Wärme und Wohlwollen. Dass Deutsch offenbar nicht ihre Muttersprache ist, stört mich nicht im Geringsten. Ich finde, sie ist eine sehr schöne Frau und ich traue mich auch, ihr das zu sagen. Sie errötet und meint, so ein Kompliment habe sie schon lange nicht mehr bekommen. Bei den Mahlzeiten sitzen wir immer mal wieder zusammen und unterhalten uns. Wir begegnen uns bei den unterschiedlichsten Workshops. In einem, den sie leitet, biete ich mich an, als sie der Gruppe eine Partnerübung demonstrieren will. In einem anderen Workshop sind wir zusammen in einer Dreiergruppe und machen die angebotenen Übungen. Wiederum begleitet sie mich mit Wärme und Wohlwollen. Beim anschließenden Austausch sagt sie zu mir: „Ich liebe dich.“ Ich höre die Worte und stutze. Das kann ich kaum glauben, habe ich doch viel von einigen meiner Unzulänglichkeiten gezeigt. Da schenkt mir ein Mensch, den ich vor 5 Tagen noch nicht kannte und der so gar keine Absichten hat, mich nicht bedrängt, der nicht fordert, einfach so Liebe? Ich spüre erst viel später die Wirkung, die diese Worte auf mich haben.

Nach oben scrollen