Die Praktikantin

Ein fremdes Gesicht im Lehrerzimmer, eine junge Frau mit Kopftuch. Sie isst etwas und schaut auf ihr Handy. Wer das wohl ist, frage ich mich. Dann fällt mir ein, dass Auszubildende der naheliegenden Altenpflegeschule verschiedene Praktika absolvieren müssen und die Schulleiterin angekündigt hatte, dass die Schule einige übernehmen werde. Sie sollen den Unterricht der 5er- und 6er-Klassen begleiten und dort helfen, wo sie können. In der nächsten Pause sitzt die junge Praktikantin wieder alleine und schaut auf ihr Handy. Meine Kolleginnen holen sich einen Kaffee am Kaffeeautomaten und gesellen sich zueinander. Manche tragen etwas in Listen ein oder füllen Formulare aus, andere plaudern hier und dort zu zweit oder in kleinen Grüppchen. Sie bleibt alleine. Ich bin neugierig und setze mich zu ihr. Woher sie komme, frage ich sie? Aus Marokko. Wie ihr die Ausbildung und Deutschland gefielen, frage ich weiter. Und sie erzählt offen und freudig. Ich erzähle ihr, dass ich DaZ unterrichte und wer meine Schülerinnen sind. Wir unterhalten uns, bis der Klingelton das Ende der Pause verkündet. Am nächsten Tag das gleiche Bild in der Pause, meine Kolleg*innen sind beschäftigt, die Praktikantin sitzt alleine. Ich setze mich zu ihr und wir plaudern. Am Ende der Woche bedankt sie sich für die netten Gespräche. Ich freue mich, dass ich vielleicht dazu beitragen konnte, ihr das Praktikum etwas angenehmer zu gestalten.

Nach oben scrollen