Schulsystem

Die Schüler*innen sind genervt. Sie sollen alle Arbeitsmaterialien dabei haben und sie pfleglich behandeln, sie sollen 45 oder gar 90 Minuten stillsitzen, sie sollen ruhig sein und konzentriert zuhören, sie sollen aktiv mitarbeiten und alle Arbeitsaufträge ordentlich und gut leserlich ausführen, selbst wenn das Thema sie nicht interessiert oder völlig an ihrer Realität vorbeigeht.
Die Eltern sind genervt. Ihre Kinder haben ‚keinen Bock auf Schule‘ und bringen schlechte Noten mit nach Hause. Die Eltern müssen immer wieder zu Elterngesprächen in die Schule kommen und sich anhören, was schiefläuft, dass sie ihre Kinder zum Lernen anhalten sollen, sie fördern sollen und dass sie den Social-Media-Konsum der Kinder einschränken sollen.
Die Lehrer*innen sind genervt. Sie sollen einen Lehrplan erfüllen, der die Schüler nicht interessiert oder völlig an ihrer Realität vorbeigeht. Sie sollen Daten erfassen, Gelder einsammeln, Listen führen, die Schüler motivieren, für Ruhe in der Klasse sorgen und auf die Nöte und Sorgen der einzelnen eingehen sowie bei sämtlichen Problemen untereinander vermitteln. Sie sollen im Dialog mit teils schwer erreichbaren, unkooperativen oder hilflosen Eltern sein, deren Perspektive einbeziehen und sich auch um deren Belange kümmern. Sie sollen über die Schulleitung immer wieder neue Anweisungen des Ministeriums umsetzen.
Schüler, Eltern, Lehrer, alle sind sie genervt und von der Situation schlichtweg überfordert.

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