Ich bin wieder in Taizé. 2000 Stimmen erfüllen die Halle. Ich singe gerne und meine Stimme mischt sich in die Gesamtheit der Stimmen. Ich bin eine passable Chorsängerin. Allein fällt es mir schwer, meine Stimmlage zu halten. Wenn ich im Chor zu nahe am Alt sitze, singe ich im Alt mit, obwohl ich doch Sopran bin.
Das Gebet ist zu Ende, die Mönche ziehen sich zurück. Der Großteil der Besucher geht. Vereinzelt bleiben kleine Grüppchen sitzen. Nach einer Weile höre ich, wie ein Lied angestimmt wird. Ich liebe dieses Lied. Ich sitze alleine etwas abseits und habe keine stimmliche Unterstützung. Kurz überlege ich: Und wenn ich falsch singe? Die Lust ist größer als die Sorge und ich stimme mit ein. Ich nehme meine eigene Stimme wahr. Mein Sopran erklingt, klar und stabil. Ich genieße es, meine eigene Stimme zu hören, wie sie trägt und den Raum miterfüllt.