Ich habe bei Kleinanzeigen eine Annonce von einer Frau gefunden, die Tomaten, Paprika und Auberginenpflanzen heranzieht und verkauft. Ich erzähle Nora davon. „Das interessiert mich auch“, sagt sie, „und das ist direkt um die Ecke, wo ich wohne.“ Ich schicke ihr später den Link, damit sie die Annonce wiederfindet. Als ich mit der Frau von der Annonce einen Termin zum Abholen vereinbart habe, frage ich Nora, ob sie mitkommen will. „Gerne“, schreibt sie zurück, „nur leider habe ich da schon was vor.“ Weiter schreibt sie: „Ich habe versucht, die Annonce zu finden, aber ich war schon so lange nicht mehr auf der Seite von Kleinanzeigen und habe mein Passwort vergessen. Könntest du die Frau fragen, ob sie dir ihre Telefonnummer gibt, damit ich auch einen Termin mit ihr vereinbaren kann?“ Als ich meine Pflänzchen abhole, frage ich die Frau nach ihrer Telefonnummer. Die mag sie mir nicht geben. Das schreibe ich Nora später. Von Nora kommt nun die Frage, ob ich die Frau noch einmal über Kleinanzeigen anschreiben und sie nach ihrer E-Mail-Adresse fragen könne. Etwas in mir grummelt. Ich habe Nora den Link geschickt und ich habe die Frau nach ihrer Telefonnummer gefragt. Reicht das nicht? Nein, ich mache das nicht. Nora will den Kontakt, also ist es ihre Aufgabe, über Kleinanzeigen an die Frau heranzukommen. Später kommen weitere Gedanken: ‚Bin ich zu kleinlich? Was macht das schon, wenn ich die Frau kurz anschreibe? Das geht ganz schnell. Das ist doch kein Aufwand.‘ Es geht hin und her in mir. Schließlich schreibe ich die Frau an und bitte sie um ihre E-Mail-Adresse. Das Grummeln in mir bleibt. Wo hört „jemandem einen Gefallen tun“ auf und fängt beim anderen die Bequemlichkeit an?