Beobachtung und Bewertung

Ich sitze mit der Schulsozialarbeiterin zusammen. Da sie lange krankgeschrieben war, ist sie nicht informiert, dass neue Schüler*innen ohne Deutschkenntnisse in meinen Unterricht gekommen sind. Ich erzähle von Jarrick, einem Jungen aus der Ukraine und Ahmad, einem Jungen aus Syrien. Der ukrainische Junge ist vor 8 oder 9 Wochen gekommen und der syrische Junge vor etwa 3 Wochen. „Jarrick ist wie ein Rennpferd“, sage ich. „Und Ahmad dagegen wie ein Ackergaul.“
Später am Abend überlege ich, was genau ich beobachtet habe, dass ich zu diesen Urteilen gekommen bin. Jarrick hat eine schnelle Auffassungsgabe. Und das Gelernte kann er gleich umsetzen. Ich brauche nicht viel zu erklären und er erfasst die Übungen, die ich ihm gebe. Er macht alle Aufgaben und dabei erstaunlich wenige Fehler. Ahmad hat Mühe, beim Schreiben in seinem Heft auf den Linien zu bleiben. Wenn er etwas von der Tafel abschreibt, finden sich darin 3 oder 4 Fehler. Auch jetzt noch konjugiert er: „ich wohnen, du wohnen, er/sie/es wohnen“. Diese Beobachtungen haben mich dazu verleitet, den einen mit einem Rennpferd und den anderen mit einem Ackergaul zu vergleichen. Ich nehme mir vor, genauer darauf zu achten, dass ich möglichst nur beobachte und nicht bewerte.

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