Monatelang war es dunkel, grau und kalt oder nass gewesen. Monatelang war das Wetter so unwirtlich, dass ich lieber drinnen blieb. Eingehüllt in Jacke und Schal bewegte ich mich ohne Umwege von A nach B, von meiner Wohnung zur Schule, von der Schule zum Supermarkt, vom Supermarkt nach Hause. Ab und an überredete ich mich zu einem Spaziergang, um dann doch wieder irgendwo einen Kaffee zu trinken.
Nun waren seit einer Woche die Temperaturen gestiegen, es war sonnig und warm. Ich stand am Fenster und schaute raus. Das Wetter lockte und ich stand da und schaute. Vier Monate hatte es mich nicht nach draußen gezogen. Wie viele verregnete Nachmittage hatte ich auf dem Sofa verbracht. Ich stand da, als hielte mich etwas zurück. So gewöhnt war ich, mir das Wetter nur von drinnen anzuschauen. Und dann gab ich mir einen Ruck. Ich nahm mein Rad aus dem Fahrradkeller und radelte los.
Was für ein Erlebnis das war, die Natur wieder erwachen zu sehen! Alles surrte und zwitscherte, an den Bäume zeigten sich die ersten Knospen. Als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Wie berauschend!