Ich sitze im Regionalzug von Saarbrücken nach Mannheim. Ich habe einen Sitzplatz bekommen. An den nächsten Bahnhöfen steigen viele Reisende hinzu, so dass schließlich auch welche im Gang stehen müssen. Ich bin überrascht, dass der Zug so voll wird. An einem Bahnhof steigt mein Sitznachbar aus und ein Mann, der bisher stand, setzt sich neben mich. Ich mache Smalltalk. „Ich bin überrascht, dass der Zug so voll ist“, sage ich. „Ja“, entgegnet er, „seit 2015, seit die Syrer gekommen sind, ist es überall voll geworden. Es ist nicht mehr schön. Alles verändert sich.“ – „Ja“, sage ich, „natürlich verändert sich alles.“ – „Aber nur zum schlechteren“, kontert er. „1,5 Millionen Syrer kann Deutschland nicht verkraften“, fügt er hinzu. „Ich komme aus Hamburg und dort ist es richtig voll geworden und es hat sich so viel verschlechtert. Vor 10 Jahren bin ich in Saarbrücken gewesen und jetzt, genau vor demselben Hotel, in dem ich damals abgestiegen bin, hat mir jemand Drogen angeboten. Das ist doch schlimm“, fährt er fort. Ich unterbreche ihn: „Es ist so ein schöner Tag heute, ich habe wirklich keine Lust auf Pessimissmus.“ – „Das ist kein Pessimissmus, nur Realismus“, echauffiert er sich. „Tut mir leid“, fahre ich ihm dazwischen, „ich möchte das Gespräch nicht weiterführen“, und stecke mir die Ohrstecker ins Ohr, um Musik zu hören. „Ja , immer schön die Augen vor der Realität verschließen“, höre ich ihn noch schimpfen.