Über mich

Christine Wanjura  1962 Saarbrücken
 1991 Diplom Geographin, Göttingen
 1991-1994 Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache,
New Delhi/Indien
 1998 Diploma of Teaching, Christchurch/Neuseeland
 1999-2002 Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache, Christchurch/NZ
 2003 Deutschförderlehrerin für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, Saarbrücken
 seit 2009

Intensives Arbeiten mit der gfK

 2017

Zertifizierung als Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation (CNVC)

Wie alles anfing:
Ich bin seit 2003 Deutschförderlehrerin für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund an der Gemeinschaftsschule in Güdingen. Da das Unterrichten nicht immer so leicht war, wie ich es mir wünschte, habe ich nach Wegen und Möglichkeiten gesucht, besser mit den Gegebenheiten umzugehen. Ich habe viele Fortbildungen gemacht, sie sehr interessant waren, aber nicht hängen blieben oder nicht den erwünschten Erfolg brachten.

Erneute Begegnung:
Ein ehemaliger Kommilitone erzählte immer wieder von seiner gfK Gruppe, wenn wir uns mal in unserer gemeinsamen Studienstadt Göttingen trafen. Irgendwann habe ich ihn dann gefragt, was denn seine "gfK Gruppe" sei. Er erklärte es mir und schenkte mir ein Buch von Marschall Rosenberg: "Konflikte lösen durch Gewaltfreie Kommunikation" - Ein Gespräch mit Gabriele Seils. Ich verschlang das Buch und erinnerte mich, dass ich Jahre zuvor der gfK schon einmal begegnet war und sie dann leider in Vergessenheit geriet. Ich fing sofort wieder Feuer und wusste gleich: Das ist es, was ich gesucht hatte. Ich suchte im Internet nach Seminaren und buchte wenige Monate darauf meinen ersten Einführungskurs in Göttingen.

Wie es weiterging:
Dieser Einführungskurs hat mich nur darin bestärkt, dass es genau das ist, was ich will. Ich habe inzwischen viele Wochenenden in gfK Seminare investiert und mir zusätzliche Fortbildungszeiten von meinem Arbeitgeber genehmigen lassen. Ich bin u.a. nach Berlin, Köln, Kassel und Hannover zu Seminaren und später auch zu Assistenzen gefahren. Noch während der Anfänge wusste ich, dass ich das nicht nur für meinen eigenen Unterricht nutzen, sondern auch darüber hinaus weitergeben wollte. Seit 2010 gebe ich in Saarbrücken u.a. bei der VHS, der evangelischen Familienbildungsstätte, der katholischen Familienbildungsstätte und der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft Seminare.

Gewaltfreie Kommunikation? Ich schlage doch keinen!
Ich stoße immer wieder auf dieses Missverständniss, wenn ich sage, ich mache gewaltfreie Kommunikation. Es geht hierbei nicht um die physische Gewalt, sondern um die Gewalt der Worte, derer wir uns im Alltag wenig bewusst sind. Der Begriff geht im Übrigen auf Gandhi zurück. (Wer mehr darüber erfahren möchte, findet unter wikipedia.org/wiki/Gewaltfreie_Kommunikation, wikipedia.org/wiki/Satyagraha und wikipedia.org/wiki/Mohandas_Karamchand_Gandhi weitere Informationen)

Was genau ist dran an der gewaltfreien Kommunikation?
Ich habe von Haus aus nur gelernt, dass man sich durchsetzt, nachgibt oder bestenfalls einen Kompromiss findet. Dass es noch einen ganz anderen Weg gibt mit Konflikten umzugehen, war mir bis dahin völlig unbekannt. Von Bedürfnissen wusste ich nur, dass man essen, schlafen und sich erholen muss. Dass sich alle Menschen, egal was sie tun Bedürfnisse erfüllen, und dass alle Bedürfnisse im Sinne Rosenbergs positiv sind, und dass es Bedürfnisse wie: "gehört werden", "gesehen werden", "gefragt werden" gibt, hatte ich noch nie etwas gehört. Was mich gänzlich überzeugt hat, ist, dass es keine Schuld, kein Richtig und kein Falsch gibt. Jeder Mensch versucht sich seine Bedürfnisse zu erfüllen so gut er/sie es eben kann. Sobald das hinter dem Konflikt liegende Bedürfnis erkannt wird, entsteht eine verblüffende Entspannung. Das ist der Moment, in dem sich beide Parteien wieder aufeinander zubewegen können.

Was hat sich verändert?
Konflikte sind für mich nicht mehr Gegebenheiten, mit denen ich halt "irgendwie umgehen" muss. Ich habe einen "Schlüssel" in die Hand bekommen, der mir begreiflich macht, warum ich auf eine bestimmte Weise reagiert habe: Ich wollte mir ein bestimmtes Bedürfnis erfüllen. Und mein Gegenüber, auch wenn ich nicht (gleich) verstehen kann, warum er oder sie etwas Bestimmtes gemacht hat, hat sich auch ein Bedürfnis erfüllt. Ich fühle mich Konflikten nicht mehr "ausgeliefert", sondern sehe nun Konflikte und schwierige Situationen als Gelegenheiten, etwas zu lernen und somit die Möglichkeit mit der nächsten Situation anders umgehen zu können.

Die Wirkung der gfK - Ein Beispiel aus meinem Alltag:
Einer meiner verblüffendsten Erfahrungen war eine Situation mit zwei Schülerinnen an meiner Schule. Ein Mädchen beklagte sich bei allen LehrerInnen, eine andere aus ihrer Klasse mobbe sie und würde einfach nicht damit aufhören. Ich fragte beide, ob sie zu einem Gespräch bereit wären. Sie bejahten und ich sprach mit beiden zuerst getrennt. Ich fing mit dem "Opfer" an. Ich ließ mir nicht die ganze Geschichte erzählen, wer wann was getan hatte, sondern fragte die Schülerin, wie es ihr gerade ginge und was sie brauche. Sie wollte "in Ruhe gelassen" werden und Freundschaft war ihr wichtig. Als ich anschließend mit der "Täterin" sprach, spürte ich die Anspannung. Verweise, Mahnungen und Drohungen hatten sie bisher nicht zum Stoppen gebracht. Ich begann das Gespräch mit den Worten: "Du hast bestimmt gute Gründe, warum du das tust." Sie schien nicht glauben zu können, dass ich sie weder ermahnte, noch mit Strafen drohte. Im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, dass auch ihr Freundschaft wichtig ist und dass sie die andere nur "mobbte", damit sie sich endlich wehrte und sich selbst behauptete. Ich war völlig verblüfft über das darunterliegende Bedürfnis "beitragen zu wollen", denn eigentlich wollte sie der anderen nur helfen! Als schließlich beide zusammen kamen und das "Opfer" begriff, worum es eigentlich ging, verflog die Spannung zwischen den beiden augenblicklich. Beide konnten sich direkt und offen austauschen und verließen meinen Raum wieder als Freundinnen. Ich empfand das als ein "kleines Wunder", das mir auf vielfältige Weise seither in meinem Berufs- und Privatleben immer wieder begegnet.